FAQ Hautsensorik

Für Sie zusammengefasst: die häufigsten Fragen und Antworten zum Thema Hautsensorik.
Bei weiteren Fragen hilft Ihnen Hans-Peter Fleischmann gerne weiter!

Allgemeines

1. Warum ist Hautsensorik nicht gleich Haptik? Kann man über den textilen Griff die Hautsensorik beurteilen?

„Haptik“ steht für den textilen Griff, wie sich ein Textil anfühlt, wenn man es mit den Händen anfasst. Die Hautsensorik hingegen zeigt, wie sich ein Textil auf der Haut des Körpers anfühlt. Zwischen der Haptik und dem hautsensorischen Empfinden bestehen große Unterschiede, so dass eine Beurteilung lediglich über den textilen Griff nicht möglich ist.

2. Ist das Empfinden nicht sehr unterschiedlich und subjektiv?

Viel weniger, als man annimmt. Mit den standardisierten Messungen wird das hautsensorische Komfortempfinden von immerhin rund 80 Prozent der Erwachsenen abgedeckt.

3. Gelten die Messungen nur für empfindliche Haut?

Nein, die Messungen gelten im Allgemeinen für „normale“ Haut. Empfindliche oder auch erkrankte Haut kann sehr unterschiedlich sein und andere Anforderungen an Textilien haben. Dies können die Hohenstein Institute mit hautsensorischen Messungen nicht abdecken.

4. Wie groß ist der Anteil der Hautsensorik am Tragekomfort?

Der Anteil der Hautsensorik am Tragekomfort macht etwa 1/3 aus. 2/3 des Tragekomforts werden durch das Wärme- und Feuchtemanagement eines Textils, also den thermophysiologischen Tragekomfort, bewirkt.

5. Was hat einen Einfluss auf die hautsensorischen Eigenschaften?

Textilien aus z.B. Filamentgarnen sind häufig zu glatt, was sich ungünstig auf Klebeindex, Oberflächenindex und Kontaktpunktzahl auswirkt. Ein leichtes Aufrauen auf der Innenseite kann beispielsweise zu besseren Ergebnissen führen.

6. Welche Art von Textilien können geprüft werden?

Es können alle Textilien geprüft werden, die im direkten Kontakt mit dem menschlichen Körper stehen, also Unterwäsche, Nachtwäsche, T-Shirts, Pullover, Hemden, Bettwäsche, Handtücher, Bademäntel, Wellnesstextilien, etc.

7. Führen Sie nur Prüfungen für Verbraucherkleidung oder auch für Arbeitskleidung durch?

Die Hautsensorik-Prüfungen sind für beide Bereiche gleichermaßen anwendbar. Voraussetzung für die Kleidung ist, dass sie im Ganzen oder in Teilen in direktem Kontakt mit der Haut steht. Nur dann kann eine Aussage über das Empfinden, wie sich das Textil auf der Haut anfühlt, getroffen werden.

8. Ist das Verfahren nur für das fertige Kleidungsstück oder auch für einzelne Komponenten, wie z.B. Nähgarne, anwendbar?

Die Messungen der hautsensorischen Eigenschaften beziehen sich immer auf das Flächenmaterial eines Produkts oder Textils. Nähgarne allein können daher nicht geprüft werden.

9. Entsprechen die hautsensorischen Messungen ISO Standards oder anderen Normen?

Die Hohenstein Institute messen die Wärmeisolation und den Wasserdurchgangswiderstand nach der DIN EN ISO 11092. Für die anderen Prüfungen der Hautsensorik testen wir nach eigenen Prüfvorschriften mit standardisierten und akkreditierten Prüfverfahren. Die Prüfvorschriften und –verfahren entwickelten die Hohenstein Institute auf Basis umfangreicher Trageversuche mit Testpersonen und jahrzehntelanger Erfahrung im Prüfen der hautsensorischen Eigenschaften von Textilien.

10. Wie lange dauern die hautsensorischen Prüfungen?

Durchschnittlich beträgt die Laufzeit für die hautsensorischen Prüfungen etwa 10 Arbeitstage.

11. Mittlerweile bestehen immer mehr Textilien aus verschiedenen Stoffen. Wie bewerten Sie deren hautsensorischen Komfort?

Um Aussagen über den hautsensorischen Komfort von Textilien zu geben, die aus verschiedenen Stoffen bestehen, testen wir verschiedene Teile des Textils. Hieraus wird der durchschnittliche Tragekomfort unter Berücksichtigung des Anteils der einzelnen Partien im gesamten Kleidungsstück berechnet. Dabei ist es aber wichtig zu wissen, dass der Träger eines solchen Produkts für gewöhnlich den Gesamtkomfort des Textils fühlt und weniger den einzelner Stoffe.

12. Können Textilien für Kinder auch bewertet werden?

Nein. Die Haut von Kindern ist anders als die Haut von Erwachsenen. Dafür ist das Beurteilungssystem der Hohenstein Institute nicht ausgelegt.

13. Warum müssen die Textilien vor den Messungen gewaschen werden?

Nach der Produktion von Textilien verbleiben oft Avivagen und Ausrüstungen im Textil, die für die Produktion notwendig sind. Die hautsensorischen Eigenschaften können dadurch erheblich beeinflusst werden. Da Textilien im direkten Kontakt mit dem Körper im Allgemeinen nur im gewaschenen oder bestenfalls einmal im Neuzustand getragen werden, ist ein Waschen vor den Prüfungen auch praxiskonform.

14. Haben Waschmittel, Weichspüler und Finisher eine Auswirkung auf die hautsensorischen Eigenschaften?

Der Einfluss dieser Produkte auf die hautsensorischen Eigenschaften kann erheblich sein. Weichspüler oder auch Imprägnierungen im letzten Spülgang können den Feuchtetransport, aber auch hautsensorische Eigenschaften wie den Klebeindex, die Steifigkeit und den Benetzungsindex nachhaltig verschlechtern.

15. Können auch Einzelmessungen zur Beantwortung einer bestimmten Problemstellung durchgeführt werden?

Durchaus. Mit dem Oberflächenindex kann z. B. auch die Glattheit bzw. Haarigkeit eines Textils im Neuzustand und nach Beanspruchung verglichen werden. Mit der Zahl der Kontaktpunkte kann die Oberflächenstruktur eines Textils betrachtet werden. Dies müssen auch nicht zwangsläufig Textilien für Bekleidung sein.

16. Inwiefern können die Daten zu hautsensorischen Eigenschaften für das Passformempfinden genutzt werden?

Die Daten zu hautsensorischen Eigenschaften von Textilien können nicht für das Passformempfinden genutzt werden. Der Grund hierfür ist folgender: Das hautsensorische Empfinden wird von der Konstruktion des Textils bestimmt, also von Fasermaterial, Garn, Strick- oder Webart, Ausrüstung und Nachbehandlung. Das Passformempfinden wird dagegen von der Konstruktion des Kleidungsstücks bestimmt. In der Bekleidungsphysiologie setzen wir also beim Textil als Flächenmaterial an, während in der Bekleidungstechnik und damit der Passformprüfung vom fertigen oder zu fertigenden Kleidungsstück ausgegangen wird.

17. Warum können Kompressionstextilien oder Shapewear nicht beurteilt werden?

Diese Textilien üben Druck auf die Haut aus, der sehr unterschiedlich sein kann. Die Empfindungen sind deshalb anders als bei Textilien, die nur anliegen oder locker aufliegen. Das Druckempfinden ist meistens zu stark, als dass andere hautsensorische Belange überhaupt wahrgenommen werden.

18. Welche Tests gibt es für e-Textiles (Textilien, die mit Sensoren bestückt sind, also elektronische Komponenten beinhalten)?

Spezielle hautsensorische Prüfungen für Textilien mit Sensoren gibt es nicht, denn die sensorischen Empfindungen des Menschen sind unabhängig von der Art des Textils – das Textil fühlt sich auf der Haut entweder angenehm oder nicht angenehm an.

19. Welche Marketinginstrumente können erworben werden?

Ist die hautsensorische Komfortnote gut oder sehr gut, können die geprüften Produkte mit dem Hohenstein Qualitätslabel „Hautsensorischer Komfort“ beworben werden.

21. Welche Vorteile bietet mir diese Produktauslobung als Hersteller?

Das Label gibt mittels Schulnotensystem Auskunft über den hautsensorischen Komfort des Produkts. Verbrauchern bietet das Label eine verlässliche und leicht verständliche Bewertung darüber, wie gut das Trageempfinden ist. Sie schaffen damit Vertrauen und einen Wiedererkennungswert beim Verbraucher und bekommen die Chance neue Kunden zu gewinnen und Retourquoten zu senken.

20. Wie erhalte ich mein Label?

Für die Nutzung wird ein Vertrag abgeschlossen. Wenn der Vertrag unterzeichnet bei uns vorliegt, wird das Label erstellt und per E-Mail an den Kunden versandt.

Prüfverfahren

22. Wie funktioniert die Messung mit dem Hautmodell und welche Eigenschaften zeichnen es aus?

Das von den Hohenstein Instituten entwickelte Hautmodell verfügt über eine Messfläche von 20 cm x 20 cm. Dabei ist das Funktionsprinzip des Hautmodells folgendes: Wasserdampf steigt durch eine poröse Metallplatte und simuliert die Thermoregulation der Haut, indem die Platte auf 35°C gehalten wird. Da durch den Verdunstungsprozess die Platte abkühlt, muss stetig Energie zugeführt werden, damit die Temperatur der Platte gehalten wird. Basierend auf den Werten der Energiezufuhr unter Berücksichtigung weiterer Konstanten werden der Wasserdampfdurchgangswiderstand und die Wärmeisolation gemessen.

23. Warum gehört die Messung des Wasserdampfdurchgangswiderstands und somit die Bestimmung der „Atmungsaktivität“ zur hautsensorischen Komfortnote?

Wenn ein Textil eine geringe „Atmungsaktivität“ besitzt, wird das Mikroklima zwischen dem Textil und der Haut feucht. Diese Feuchtigkeit schlägt sich im Textil und auf der Haut nieder. Feucht geschwitzte Haut ist empfindlich und deshalb für Reizungen durch das Textil empfänglicher. Deshalb ist eine gute Atmungsaktivität auch für den hautsensorischen Komfort wichtig.

24. Können Sie die Haut-Kontaktpunkte bei Strümpfen im Schuh messen?

Wir haben bereits Strümpfe untersucht, im Schuh ist eine Messung technisch aber nicht möglich. Dafür sind unsere Prüfgeräte nicht ausgelegt. Hautsensorische Untersuchungen von Strümpfen im Schuh könnten nur mit Trageversuchen durchgeführt werden.

25. Wird der Klebeindex am Gewebe nur horizontal gemessen?

Ja, die Messung erfolgt horizontal, steht aber in Korrelation zum vertikalen Empfinden des Trägers. Dies wurde in umfangreichen Trageversuchen validiert.

26. Wird der Klebeindex von Baumwolle auf der Haut reduziert, indem der Stoff die Feuchtigkeit absorbiert

Baumwolle absorbiert Flüssigkeit sehr gut, dennoch transportiert sie den aufgenommenen Schweiß nicht nach außen. Folglich klebt das feuchte Baumwolltextil auf der Haut.

27. Welchen Unterschied spürt der Mensch bei verschiedenen Wasserdampfdurchgangswiderständen?

Das Empfinden von Unterschieden ist auf der einen Seite abhängig von der Anwendung des Textils und auf der anderen Seite vom Wert des Wasserdampfdurchgangswiderstandes selbst. Wenn z.B. ein Hemd aus einem dünnen Gewebe einen Wasserdampfdurchgangswiderstand von z.B. 5 m²Pa/W hat, wird der Unterschied zu einem Hemd mit einem Wert von 2,5 m²Pa/W wahrgenommen. Andererseits wird der Unterschied von 2 Pullovern, die Werte von z.B. 25 bzw. 30 m²Pa/W haben, normalerweise nicht gespürt.

28. Sind für unterschiedliche Arbeitsumgebungen nicht natürliche Fasern wie Baumwolle mit speziellen Ausrüstungen eher für die Haut tolerierbar als künstliche Fasern?

Bei funktionellen Kleidungsstücken, die direkt auf der Haut getragen werden (z.B. Kleidung von Feuerwehrleuten), ist Baumwolle nicht die erste Wahl. Bei starkem Schwitzen durchfeuchtet die Baumwolle und bleibt nass. Nasse Kleidung wiederum beeinflusst die Thermoregulation des Trägers, da dadurch die Verdunstung behindert wird. Außerdem ist nasse Haut auch anfälliger für Hautirritationen. Sollten für die funktionelle Kleidung natürliche Fasern gefordert sein, würden wir daher Maschenwaren aus sehr feiner Merinowolle empfehlen, deren Tragekomfort sehr gut sein kann.