FAQ Bioabbaubarkeit

Allgemein

1. Was bedeutet Bioabbaubarkeit?

Die Bioabbaubarkeit beschreibt den biologischen Abbau eines Produkts durch Mikroorganismen wie Pilze und Bakterien, wenn Sauerstoff vorhanden ist. Der von den Hohenstein Instituten etablierte Test der Bioabbaubarkeit beurteilt den aeroben Abbau von Textilprodukten über einen definierten Prüfzeitraum durch kontrollierte Erdeingrabung. Kontrolliert bedeutet: Sauerstoff und Mikroorganismen im Erdreich sind ausreichend vorhanden und die Keime verfügen über vielfältige biologische Abbaumechanismen für Materialien aus Natur- und Kunststofffasern.

2. Warum wird die Erdeingrabung als Prüfmethode genutzt?

Es muss sichergestellt sein, dass Produkte, die für die Deponierung oder Kompostierung bestimmt sind, sich im Boden abbauen und eventuell enthaltene Rückstände aus Ausrüstungen keinen negativen Einfluss auf ihn haben. Laut der amerikanischen Umweltschutzorganisation EPA ist die Bioabbaubarkeit somit einer der wichtigsten Faktoren bei der Beurteilung des Umweltverhaltens von Materialien oder Produkten.

3. Für welche Branchen / Produkte ist die Prüfung geeignet?

Die Prüfung der Bioabbaubarkeit eignet sich für alle Produkte, i.d.R. für solche, die sich besonders schnell oder aber auch besonders langsam unter Einwirken von Mikroorganismen abbauen.

  • Hersteller, Veredler und Händler von Garnen, Fasern, textilen Flächen, Bekleidung
  • Agrartextilien
  • Produzenten von technischen Textilien z.B. für die Automobil-Branche
  • Chemische Industrie
  • Recycling-Unternehmen

4. Welche Bedeutung hat diese Prüfung in der gesamtheitlich nachhaltigen Betrachtung der textilen Kette?

Nach dem Gebrauch stehen Textilien verschiedene Wege offen: Entweder besteht eine Rückführung in den Kreislauf als Second-Hand-Produkt, durch Downcycling, als Upcycling- Produkt oder mittels Recycling. Andernfalls steht die Entsorgung an. Diese kann durch thermische Verwertung, Deponierung oder aber durch Kompostierung erfolgen. Im Rahmen eines vollständigen Nachhaltigkeitsprofils sollten daher nicht nur die Umweltverträglichkeit der Bestandteile eines Produkts und dessen Herstellungsprozesses bekannt sein, sondern auch Informationen darüber, wie das Produkt in der Umwelt verbleibt, wenn es das Ende seiner Gebrauchsdauer erreicht hat.

Marketing-relevant

5. Welche Marketinginstrumente können erworben werden?

Untersuchte Produkte, deren Rückstände in der Testbewertung als ökotoxikologisch unbedenklich eingestuft werden, können mit einem Hohenstein Zertifikat (B2B Bereich) oder Hohenstein Qualitäts-Label (B2C Bereich) ausgelobt werden. Das Label gibt die Abbaurate des Produkts in Prozent an und zeigt auf der Rückseite des Labels die Prüfparameter.

6. Was sind meine Vorteile dieser Produktauslobung?

  • Produktoptimierung
  • Kennzeichnung bioabbaubarer Textilprodukte
  • Interessant für die Risikobewertung von funktionellen Textil-Ausrüstungen
  • Bietet neutrale Grundlage für die Produktvergleichbarkeit z.B. als Hilfe für die Lieferantenwahl

im B2B-Bereich:

  • Objektive und verlässliche Beurteilung der BioabbaubarkeitBewertung von Recyclingprozessen
  • Qualitätssicherung aufgrund ökotoxikologischer Unbedenklichkeit
  • unabhängiger Nachweis als Verkaufsargument und Differenzierungsmerkmal
  • Vergleichbarkeit der Bioabbaubarkeit von Produkten (mit gleichen Eingrabebedingungen

im B2C-Bereich:

  • Marketingtool – Verkaufsargument / Werbewirkung
  • Zielgruppenerweiterung im Bereich „Lifestyles of Health and Sustainability“
  • Argumentations- bzw. Kaufentscheidungshilfe gegenüber Verbrauchern
  • Steigerung der Verbrauchersicherheit

7. Welche Voraussetzungen muss mein Produkt erfüllen, damit ich Zertifikat oder Label erhalte?

Die Marketinginstrumente Zertifikat & Qualitäts-Label „Bioabbaubar“ werden vergeben, sofern ein Abbau stattgefunden hat und eine ökotoxikologische Unbedenklichkeit festgestellt wurde.

8. Was sind die Unterschiede von Zertifikat und Label?

Das Label dient als Marketingtool für den B2C-Bereich (z.B. Hangtag an der Ware), das Zertifikat dient als Urkunde im B2B-Bereich.

9. Wie bekomme ich mein Zertifikat / Label?

  • Zusendung der zu prüfenden Muster (inkl. ausreichend genauer Produktbezeichnungen wie Materialzusammensetzung, Artikelnummer etc.)
  • Prüfung und Erfüllung der o.g. Voraussetzungen (siehe Frage 7)
  • Zertifikat: Unterzeichnung der Konformitätserklärung
  • Label: Unterzeichnung von Konformitätserklärung und Labelnutzungsvertrag
  • Aushändigung des Zertifikats / der Labeldatei

10. Was kosten Zertifikat und Label?

  • Hohenstein Zertifikat auf deutsch und englisch: 500 €
  • Hohenstein Qualitäts-Label auf deutsch und englisch: 850 €
  • Für jede weitere Sprache fallen jeweils 200 € an.

11. Wie kann man die Bioabbaubarkeit testen?

Die Versuche finden unter standardisierten Bedingungen statt. Sie basieren auf europäischen Normen, anhand derer das Abbauverhalten von Materialien sowie die Umweltverträglichkeit der Degradationsrückstände mittels Erdeingrabung geprüft werden. Die Prüfung kann unter standardisierten Laborbedingungen oder unter Freilandbedingungen (der Außentemperatur ausgesetzt) stattfinden. Außerdem können der Versuchserde zusätzliche Mikroorganismen zugegeben werden, um den Verrottungsprozess kontrolliert zu beschleunigen.

12. Welche Anforderungen muss mein Prüfmuster erfüllen, damit es geprüft werden kann?

  • Es bedarf ausreichender Bestimmung der Prüfmuster hinsichtlich der Materialzusammensetzung,
    der Materialbeschaffenheit, dem Flächengewichtangabe / Volumen, der Konstruktion und Veredelung
  • Relative Kontaktoberfläche Textil/Versuchserde = 100 cm2 (5x20cm)

13. Welches ist die richtige Eingrabemethode für mein Produkt?

Der Kunde kann frei entscheiden über welchen Zeitraum die Prüfung (Eingrabedauer) erfolgen soll, ob Freiland- oder Laborbedingungen gewählt werden, oder ob mit oder ohne Zugabe zusätzlicher Mikroorganismen geprüft werden soll.

Aufgrund unserer Prüferfahrung bieten wir drei bewährte Standards an:

  • Für alle Regenerat- und Mischfasern empfehlen wir die Erdeingrabung unter Laborbedingungen ohne zusätzliche Zugabe von Mikroorganismen.
  • Für synthetische Fasern wie PES oder PA empfehlen wir die Erdeingrabung unter Laborbedingungen unter Zugabe von zusätzlichen Mikroorganismen, da Synthesefasern i.d.R. schwerer abbaubar sind und der Verrottungsprozess dadurch kontrolliert beschleunigt werden kann.
  • Für Naturfasern empfehlen wir hingegen die Freilandeingrabung ohne Zugabe von zusätzlichen Mikroorganismen. Dieser verlangsamte Abbau kann interessant sein, um das Abbauverhalten unterschiedlicher schnell degradierender Produkte zu vergleichen oder wenn die Auswirkung von Ausrüstungen auf die Biodegradation herausgearbeitet werden sollen.

Grundsätzlich ermöglichen wir zudem auch individuelle Versuchsaufbauten, z.B. die Eingrabung eines vollständig konfektionierten Endprodukts, die Messung der Reißfestigkeit oder eine Verlängerung

14. Wie sieht die Testdurchführung aus?

  • Zunächst werden für die vom Kunden gewünschte Eingrabedauer 4 Ausgrabe-Zeitpunkte terminiert.
  • Dann werden die Materialien je nach Kundenwunsch unter Freiland- oder Laborbedingungen mit oder ohne Zusatz von Mikroorganismen eingegraben.
  • Zu den 4 definierten Zeitpunkten erfolgt die Ausgrabung und Untersuchung der Probematerialien.
  • Hohenstein prüft den Massenverlust, eine visuelle Beurteilung der Materialoberfläche sowie die ökotoxikologische Unbedenklichkeit. Dies fließt in das von Hohenstein entwickelte Bewertungsschema ein.
  • Die ökotoxikologische Unbedenklichkeit wird standardmäßig anhand eines Kressetests (Bestimmung der Keimungsrate und der Biomasse aus Kressesamen) ermittelt.

15. Wie wird der Abbau kontrolliert?

  • Die Testerde ist biologisch aktiv und standardisiert, es werden also reproduzierbare Ergebnisse erzielt. Eigenschaften wie Temperatur, pH-Wert und Feuchtigkeitgehalt in der Erde werden regelmäßig kontrolliert.
  • Bei jeder Prüfung wird ein Standard-Kontrollmaterial mit eingegraben, um die erforderliche Aktivität der Mikroorganismen nachzuweisen. Zeigt dieses Kontrollmaterial bei der Ausgrabung ein entsprechendes Abbauverhalten, so ist belegt, dass die Erde, die für die Produktprüfung genutzt wird, ausreichend nachweislich biologisch aktiv ist.

16. Wie wird die ökologische Sicherheit nachgewiesen?

  • Grundsätzlich dient ein agronomischer Test als Nachweis für ein mögliches Pflanzenwachstum in der Erde, in der zuvor das Prüfgut eingegraben wurde. Hierzu wird eine definierte Menge Kressesamen sowohl in die Versuchserde, als auch in eine standardisierte Kontrollerde gegeben. Anschließend wird die Anzahl der gewachsenen Keimlinge bestimmt und die gewachsene Biomasse quantifiziert.
  • Zusätzlich können auf Kundenwunsch weitere ökotoxikologische Tests mit Wasserflöhen oder Leuchtbakterien vorgenommen werden. Diese geben Aufschluss über die Umweltverträglichkeit der in der Untersuchungserde vorhandenen wasserlöslichen Schadstoffe.

17. Wie lange muss mein Textil eingegraben werden, damit es vollständig abgebaut ist?

Diese Frage kann nicht pauschal beantwortet werden, da die Verrottungsdauer von verschiedenen Faktoren abhängt. Liegen uns ausreichend Produktinformationen vor, so können wir anhand von Erfahrungswerten eine Mindesteingrabedauer ermitteln. Die Eingrabedauer pro Prüfung ist auf 2 Jahre beschränkt.

18. Wie viel Material ist für die Durchführung der Prüfung notwendig?

Abhängig von der Eingrabedauer und den erforderlichen Kontrollmustern sind etwa 0,25 m2 pro Probenmaterial für eine Prüfung nötig.

19. Wie lange dauert die Prüfung?

Je nach Kundenwunsch bzw. Fragestellung und Material ist eine Eingrabung bis zu maximal 24 Monaten möglich.

20. Welche Prüfgrundlagen liegen dem Test zugrunde?

  • Bislang existiert zur Bioabbaubarkeit von Textilien lediglich ein Standard für reine Baumwolle
  • Entwickelt wurde der Hohenstein Testaufbau in Anlehnung an folgende Normen:
    • DIN EN ISO 11721-1: Textilien - Bestimmung der Beständigkeit cellulosehaltiger Textilien gegenüber Mikroorganismen
    • DIN EN ISO 846: Kunststoffe - Bestimmung der Einwirkung von Mikroorganismen auf Kunststoffe
    • DIN EN 13432: Verpackung – Anforderungen an die Verwertung von Verpackungen durch Kompostierung und biologischen Abbau

21. Welche Publikationen durch Hohenstein gibt es bereits zu dem Thema?

  • Webinar: „Biodegradability and the Impact on Product Sustainability” auf Hohenstein Homepage unter „Fortbilden” / „E-Learning”
  • Pressemeldung: „Zersetzung von (textilen) Produkten im Erdreich Laboruntersuchungen helfen bei der Beurteilung der Umweltverträglichkeit“ vom 06.02.13 auf Hohenstein Homepage unter „Über Hohenstein“ / „Presse“

22. Ist das Prüflabor akkreditiert?

Ja, die Hohenstein Laboratories GmbH & Co. KG ist eine anerkannte Prüfstelle nach DIN EN ISO/IEC 17025, akkreditiert durch die Deutsche Akkreditierungsstelle GmbH (DAkkS).