Presseinformation

14.11.2017 | 762-DE

Nachhaltiges Bauen dank Dämmwollmatten aus Schafwolle

In einem Sondierungsprojekt wurde ein umweltschonender Behandlungsprozess für Schafwolle entwickelt, der ohne Einsatz von Insektiziden zu einem Schutz gegen Mottenfraß führt. Ziel des durch das BMBF geförderten Projektes war es, ökologische Isolier- und Dämmstoffmaterialien nutzbar zu machen, die den Ansprüchen nachhaltigen Bauens gerecht werden.

BÖNNIGHEIM (ab) Nicht nur konventionelle Dämmstoffe, sondern auch die Naturfaser Schafwolle bietet sehr gute Dämmeigenschaften, die Heizkosten deutlich reduzieren können. Durch eine hohe Rohdichte sind optimierte Schallschutzwerte ebenfalls gewährleistet. Außerdem ist Schafwolle sehr langlebig, schlecht brennbar und bindet Schadstoffe aus der Luft. Insgesamt ergeben sich aus der Dämmung mit Schafwolle gesundheits- und umweltrelevante Vorteile, da diese Dämmmethode kein Risiko für den Verarbeiter und Nutzer darstellt. Einziger Nachteil der auf Schafwolle basierenden Dämmmatten ist der häufig vorkommende Befall durch Kleidermotten (Tineola bisselliella). Dieses Problem macht einen chemischen Schutz nahezu unerlässlich.

Dämmschutz ohne Chemie?

Basierend auf den vorteilhaften Eigenschaften von Schafwolle sollte im Rahmen der Fördermaßnahme „Neue Produkte für die Bioökonomie“ ein umweltschonender Behandlungsprozess für Schafwolle entwickelt werden, der ohne Einsatz von Insektiziden zu einem Schutz gegen Mottenfraß führen kann.

Der Lösungsansatz basiert auf den bereits aus der Erzeugung von Leder bekannten pflanzlichen Gerbstoffen (Tannine), sogenannten Sekundärmetaboliten, mit denen Pflanzen sich vor Schädlingsbefall schützen.

Das Gerbverfahren soll genutzt werden, um einen biogenen Behandlungsprozess für Schurwolle zu gestalten und damit neue ökologische Verfahren für die Textilindustrie (auch für Filzstoffe, technische Textilien) zu erschließen.

Im Forschungsvorhaben wurden zunächst tanninhaltige Gerbelohen aus Gerbmitteln wie Rinden, Früchten und Blättern verschiedener Pflanzen hergestellt. Des Weiteren konnte ein geeigneter Gerbprozess für Schafwolle entwickelt und die gerbtechnologische Rezeptur gezielt auf eine Mottenresistenz hin optimiert werden. Hierbei wurden verschiedene Parameter untersucht, die auf den Prozess des Gerbens einen Einfluss haben. Eine Kleidermottenzucht wurde eingerichtet und Kleidermottentests in Anlehnung an DIN EN ISO 3998 durchgeführt, um das Ziel einer Mottenbeständigkeit für Wolltextilien zu belegen.

Durch die gerbtechnische Behandlung mechanisch verfestigter Wollfilze mit geschroteten Pflanzenteilen (enthalten Tannine) wurde die Widerstandsfähigkeit des behandelten Materials gegen Fraßschäden deutlich verbessert. Die erzielte Resistenz gegen Kleidermottenlarven war deutlich höher als bei unbehandelter Schafwolle. Kommerzielle permethrinhaltige Ausrüstungen (auf Basis von Insektiziden) die als Positivkontrollen im etablierten Mottentest verwendet wurden, stellten sich nur als geringfügig widerstandsfähiger dar.

Wollige Aussichten für nachhaltiges Bauen

Unter Anwendung der Gerbtechnologie kann somit ein „ökologisches Dämmmaterial“ aus Schafwolle gestaltet werden, dass ohne synthetische Insektizide auskommt. Die im Projekt erstellte Ökobilanz, die in Zusammenarbeit mit dem ifeu (Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg) erstellt wurde, zeigt deutliche Vorteile für das ökologische Potential im Vergleich zu konventionellen Dämmstoffen. Durch die Verwendung ausschließlich biogener Rohstoffe werden bioökonomische Aspekte berücksichtigt und zugleich ungewünschte Umweltauswirkungen vermieden. Somit kann ein Beitrag zu nachhaltigem Bauen geleistet werden.

Die Hohenstein Group möchte an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich seinen Dank für die Förderung an Projektträger Jülich │ Forschungszentrum Jülich GmbH und das Bundesministerium für Bildung und Forschung aussprechen sowie dem Kooperationspartner BioPro Baden-Württemberg für die Unterstützung bei diesem Projekt danken.

Ergänzung:

Nachwachsende Rohstoffe (NaWaRo) auf Basis pflanzlicher und tierischer Fasern werden wieder vermehrt als Isolier- und Dämmstoffmaterialien genutzt. Die Marktübersicht-Broschüre „Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen“ beschreibt zahlreiche mögliche Anwendungsgebiete der NaWaRo-Dämmstoffe und unterschreibt die Vorzüge bei der Auswahl und Verwendung von Naturdämm¬stoffen wie Schafwolle, Holzfaser, Flachs, Hanf usw.

Beim Umbau bestehender Altbauten und zur Vermeidung baulicher Schäden werden diesen Dämmmaterialien im Rahmen von Umnutzung und Modernisierungsarbeiten bauphysikalische Vorteile zugewiesen.

>> Marktübersicht Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen

zurück zur Übersicht