Presseinformation

11.04.2016 | 692-DE

„Managementsysteme schaffen Wettbewerbsvorteile durch zertifizierte Kompetenz“

Neu geschaffene Zertifizierungsstelle Managementsysteme an den Hohenstein Instituten zertifiziert gewerbliche Wäschereien und Textil-Leasing-Unternehmen nach den internationalen Standards ISO 9001 und ISO 14001

BÖNNIGHEIM (IS) Nur wer zukunftsweisend handelt, seine Potenziale gezielt entwickelt und Risiken frühzeitig erkennt, wird dauerhaft dem harten Wettbewerb und den vielfältigen Anforderungen des globalisierten Marktes genügen. Dieser Grundsatz gilt ganz besonders für Unternehmen im Textilservice, wo unter anderem nachhaltige Ressourceneffizienz gefragt ist. Managementsysteme können gewerbliche Wäschereien oder Textil-Leasing-Unternehmen neben der Wahrung der Kundenzufriedenheit dabei unterstützen, energiesparende Prozesse und umweltschonende Verfahren einzusetzen und konsequent weiterzuentwickeln.

Doch was bedeutet die Einführung und Zertifizierung eines Managementsystems konkret für diese Branche? Welche Herausforderungen kommen mit dem Zertifizierungsvorgang auf die Unternehmen zu und welche Vorteile haben sie letztendlich davon?

Wir haben uns darüber mit Markus Beeh von der neu geschaffenen Zertifizierungsstelle Managementsysteme an den Hohenstein Instituten unterhalten.

Herr Beeh, man hat den Eindruck, Managementsysteme sind derzeit schwer in Mode. Sind sie denn entsprechend schnelllebig wieder ad Acta zu legen oder haben sie Zukunft?

Die reine Produktivität eines Unternehmens reicht heutzutage nicht mehr aus, um seinen wirtschaftlichen Fortbestand zu garantieren. Insofern haben alle Maßnahmen Zukunft, die dauerhaft zusätzliche Kompetenzen wie Innovations- und Lernfähigkeit oder die Einzigartigkeit einer Organisation schaffen. Auch die Anpassungsfähigkeit an sich schnell verändernde Märkte und der konstant hohe Qualitätsanspruch an Produkte stellen hohe Anforderungen an die Betriebe und ihre Mitarbeiter. Die Einführung von Managementsystemen schafft in den Unternehmen eine strukturelle Basis, aus der heraus sich nachhaltiger Erfolg generieren lässt, sie schaffen so Wettbewerbsvorteile durch zertifizierte Kompetenz. Managementsysteme heben sich nicht zuletzt auch dadurch hervor, dass die Erwartungen und Anforderungen aller an dem Unternehmen interessierten Parteien wie beispielsweise Kunden, Mitarbeiter, Eigentümer oder Lieferanten in hohem Maße erfüllt werden.

Wie definieren Sie den Nutzen von Managementsystemen nach ISO 9001 und 14001 speziell für Betriebe im Textilservice?

Beim Qualitätsmanagementsystem nach ISO 9001 ist das vorrangige Ziel die Optimierung von Prozess- und Verfahrensabläufen in Betrieben mit dem Ziel, eine langfristige Kundenzufriedenheit und damit Kundenbindung zu erreichen. Auch in gewerblichen Wäschereien und Textil-Leasing-Unternehmen können mithilfe von ISO 9001 sowohl Effizienzsteigerung als auch Kostenreduzierung und vor allem eine reproduzierbare Produkt- oder Dienstleistungsqualität erreicht werden. Die Kundenbindung und die Wettbewerbsfähigkeit werden hierdurch nachweislich gestärkt.

Der elementare Nutzen eines Umweltmanagementsystems nach ISO 14001 liegt im Erkennen und Vermeiden umweltrelevanter Risiken und fördert damit indirekt den effizienten Umgang mit Ressourcen, was sich letztlich für die Betriebe auch ökonomisch bezahlt macht. Darüber hinaus fordert die Gesellschaft immer vehementer, dass jedes einzelne Unternehmen seiner Verantwortung gerecht wird, die Umwelt für kommende Generationen zu schützen. Ein vorhandenes Umweltmanagementsystem bietet Betrieben vor allem auch im Hinblick auf Ausschreibungen oder Nachhaltigkeitszertifizierungen eine ideale Ausgangsposition.

Das hört sich schon gut an, doch für eine erfolgreiche Zertifizierung muss ein Betrieb ja auch einiges leisten, oder?

Durchaus, aber die Zertifizierung z.B. nach ISO 9001 ist kein Hexenwerk. In den allermeisten Fällen existiert innerhalb der Betriebe ohnehin ein ausgeprägtes Qualitätsbewusstsein, sonst wären sie längst nicht mehr im Geschäft. Letzten Endes muss dieses Bewusstsein so ausgerichtet werden, dass die Anforderungen der Norm erfüllt werden. Dabei sind alle Vorgaben und deren Einhaltung zu dokumentieren. Bereits durch diese Strukturierung und die damit verbundene Auseinandersetzung mit allen im Arbeitsalltag eingebundenen Prozessen zeigt sich, was schon gut läuft, wo Verbesserungspotential besteht, welche Veränderungen vorgenommen werden müssen und in welchen Bereichen es besonders häufig zu Schwierigkeiten kommt. Es wird klar, wo Prozesse ggf. umstrukturiert werden müssen. Idealerweise kann Bestehendes, das sich bewährt hat, mit Neuem, das für die Zertifizierung erforderlich ist, konstruktiv verknüpft werden. Auf diese Weise entsteht schon in der Vorbereitung auf eine Zertifizierung ein realer Nutzwert für die Unternehmen. Nach den getätigten Anpassungen kann das eigentliche Audit mit anschließender Zertifizierung erfolgen.

Wie kann es angehen, dass die ISO 9001 sowohl für große Industriebetriebe als auch Kleinbetriebe Anwendung findet?

Die Ziele des Qualitätsmanagementsystems nach ISO 9001 sind in allen Unternehmen dieselben: strukturierte Prozesse, ein effektives Management für alle Abläufe und die kontinuierliche Verbesserung. Der Nutzen ist auch immer auf eine nachhaltige Kundenzufriedenheit ausgerichtet. Aus diesem Grund ist die ISO 9001 bewusst flexibel ausgelegt und kann mühelos an jeden Betrieb – und auch an jede Betriebsgröße – angepasst werden.

Warum darf die Zertifizierungsstelle im Vorfeld nicht beratend tätig werden? Quasi Beratung und Zertifizierung aus einer Hand – das ginge doch wesentlich schneller und effektiver!

Auf den ersten Blick wäre das wohl so, aber wenn man ehrlich ist, wäre in diesem Fall weder Objektivität noch Neutralität des Auditors und der Zertifizierungsstelle gewährleistet – man würde ja faktisch die eigene Arbeit bewerten. Deshalb fordert nicht nur indirekt der Markt, sondern explizit die Norm-Vorgabe für Zertifizierungsstellen vollkommen zu Recht, dass Beratung und Zertifizierung durch verschiedene Institutionen stattfinden müssen.

Wie geht es nach einer erfolgreichen Zertifizierung weiter – sie hat ja nicht uneingeschränkt Gültigkeit?

Bei sogenannten Überwachungsaudits wird das Qualitätsmanagementsystem jährlich daraufhin überprüft, ob die Anforderungen weiterhin erfüllt werden. Zusätzlich wird alle drei Jahre in Re-Zertifizierungs-Audits unter anderem kontrolliert, ob die Wirksamkeit des Qualitätsmanagementsystems im Hinblick auf interne oder externe Änderungen nach wie vor gegeben ist.

Was müssen Betriebe im Vorfeld einer Zertifizierung nach ISO 14001 Umweltmanagementsysteme beachten?

Der prinzipielle Ablauf ist derselbe wie bei der ISO 9001, nur steht bei der ISO 14001 die Umwelt und nicht die Qualität im Fokus der Bewertung. Das Erstzertifizierungsaudit erfolgt in zwei Stufen: Mit dem Zertifizierungsaudit Stufe I wird anhand der Dokumentenprüfung im Unternehmen die generelle Bereitschaft für die Stufe II ermittelt; bei eventuellen Abweichungen müssen notwendige Korrekturen getätigt werden. Im anschließenden Zertifizierungsaudit Stufe II prüft der Auditor die Wirksamkeit des jeweiligen Managementsystems und untersucht dessen Konformität mit den Normforderungen. Ein verliehenes Zertifikat ist auch hier drei Jahre lang gültig; es findet jährlich ein Überwachungsaudit statt. Nach einem erfolgreich absolvierten Re-Zertifizierungsaudit kann eine Verlängerung der Zertifizierung wiederum um drei Jahre erlangt werden.

Was haben gewerbliche Wäschereien und Textil-Leasing-Unternehmen konkret von einer Zertifizierung nach ISO 14001?

Nachhaltiges Wirtschaften wird zunehmend vom Markt und der Gesellschaft als Wegweiser in die Zukunft eingefordert. Aus diesem Grund müssen bei der ISO 14001 Umweltaspekte vorausschauend und systematisch in unternehmerische Entscheidungen einbezogen werden. Das verbessert das Image von Textilservice-Betrieben aus der Sicht der Kunden, fördert die Identifikation der Mitarbeiter als Teil der Gesellschaft mit dem Unternehmen und steigert damit auch die Mitarbeitermotivation. Man muss auch mit ins Kalkül ziehen, dass ein funktionierendes Umweltmanagementsystem durch das kontinuierliche Hinterfragen der Umweltauswirkungen zu einer größeren Rechtssicherheit führt. So wird das Umwelthaftungsrisiko reduziert. Zudem werden durch die nachhaltige Einsparung von Ressourcen wie Energie, Waschmittel, Wasser etc. die Betriebskosten für gewerbliche Wäschereien in erheblichem Umfang reduziert.

Warum haben sich die Hohenstein Institute für die Akkreditierung als Zertifizierungsstelle Managementsysteme entschieden?

Die Hohenstein Institute stehen seit Jahrzehnten für textile Kompetenz, Unabhängigkeit und Neutralität, insofern war der Schritt hin zur Zertifizierungsstelle Managementsysteme als Ergänzung unseres Portfolios logisch. Der Akkreditierungsumfang erstreckt sich weltweit auf alle Betriebe entlang der textilen Kette – wir führen Zertifizierungen innerhalb unserer Kernkompetenzen durch. Textilbetriebe können auf diese Weise sicher sein, dass in ihrem Haus der Anspruch der Prozessorientierung zuverlässig und mit höchstem Sachverstand bewertet wird. Und sie können ihren Kunden gegenüber einen unabhängigen und verbrieften Kompetenznachweis vorweisen.

Herr Beeh, vielen Dank für das Gespräch!

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