Der Sommer kommt, die Sonne brennt!
Textile Verhaltens- und Schutzmaßnahmen

Vor allem ältere Menschen und COPD Patienten sind gefährdet

Menschen, die älter sind als 60 Jahre, sowie Lungenerkrankte, aber auch Personen, die an Übergewicht, Bluthochdruck, Langzeit-Diabetes oder Herz- Kreislauferkrankungen leiden, stehen bei längeren Hitzewellen unter dem erhöhten Risiko einer Hitze-bedingten Erkrankung. Dies kann vom Hitzschlag über -kollaps bis zum Tod führen. Gerade weil sich diese Risikogruppen nur langsamer an die Hitze anpassen können, benötigen sie Hilfsmaßnahmen und Erleichterungen. Dazu zählt vor allem der gesundheitsgemäße Umgang mit Textilien.

Wie reagiert der Körper physiologisch unter Hitze?

Bei Hitze gibt der Körper Wärme nicht nur durch Schwitzen über die Haut, sondern auch über die Lunge ab – die Atemfrequenz erhöht sich leicht. Bei COPD-Patienten, deren Lunge durch die Erkrankung bereits stark geschädigt ist, ist dieser Wärmetransport jedoch eingeschränkt.

Auch für Senioren kann Hitze schnell zu Problemen und zu einer Krankheitsverschlechterung führen. Der Hitzeschutz des Körpers nimmt mit zunehmendem Alter ab, Kreislaufstörungen treten häufiger auf als bei jungen Menschen und der Flüssigkeitshaushalt gerät schneller aus dem Gleichgewicht, vor allem, wenn Senioren Probleme mit dem Herzen oder Bluthochdruck haben.

TEXTILE VERHALTENS UND SCHUTZMASSNAHMEN
für die ältere Bevölkerung und COPD-Patienten bei künftigen Hitzewellen

Kleidung

Die hier vorgelegten textile Verhaltens- und Schutzmaßnahmen und Empfehlungen für Bekleidung berücksichtigen die physiologischen Erkenntnisse des so genannten „body mapping“.

Body mapping besagt: Der Körper reagiert auf die Umweltreize Wärme und Nässe je nach Körperregion sehr unterschiedlich.

Sommerbekleidung sollte daher in ihrer Fertigung, aber auch hinsichtlich ihrer Verwendung angepasst sein. Unsere Empfehlungen bei sommerlichen Hitzewellen konzentrieren sich daher im Folgenden auf den Oberkörper und die Oberbekleidung, da dieser Körperbereich - mit Ausnahme des Gesichts - am stärksten wärmeempfindlich ist.

  • A | SCHNITT
    Die Oberbekleidung sollte man lose und möglichst über dem Bund tragen. Eng anliegende Kleidung stört die natürliche (oder freie) Wärmezirkulation (Konvektion), bei der die an der Haut anliegende erwärmte Luftschicht nach oben gleitet und unten am Körper durch kühlere Luft ersetzt wird. Dies ist vorteilhaft dann gegeben, wenn Frauen weite Kleider tragen. Enganliegende Kleidung verringert zwar das Nassempfinden des Schweißes auf der Haut, weil sie zunächst weniger Mechanik ausübt, allerdings erhöht sich der Wärmestau und die Kühlung der Haut reduziert sich. Auch ist ein nackter Oberkörper nur scheinbar kühler als ein bekleideter. Studien zeigten, dass Menschen in weiten Baumwollshirts besser mit der Hitze zurechtkommen als Menschen ohne Oberteil. Denn zwischen Stoff und Haut bildet sich eine Luftschicht, die kühlt. Besser also mit Hemd, Bluse oder Shirt der Hitze begegnen als ohne.
  • B | KONSTRUKTION
    Luftige, also atmungsaktive Gewebe oder Strickware ist zu empfehlen. Dennoch sollte das Oberteil nicht zu löchrig sein, sonst funktioniert die wichtige Infrarot IR- und ultraviolette UV-Abschirmung nicht mehr. Gelangt zu viel an IR-Strahlung durch die Kleidung hindurch, so heizt dies die Haut zusätzlich auf, während UV-Strahlung die Zellen der Haut angreifen kann. Es ist zu empfehlen, luftige, helle Kleidung zu tragen. Im Freien nutzt man am besten eine Kopfbedeckung, besser jedoch einen offenen Hut als ein Textil, da solche Hüte weniger Wärmestau verursachen. Qualitätslabel geben verlässlich Auskunft über den Grad der Atmungsaktivität und den Schutzfaktor gegenüber der UV-Strahlung.
  • C | FASERN, GARNE, OBERFLÄCHE
    Um den Körper bei Hitze abzukühlen, beginnt die Haut zu schwitzen - das ist physiologisch sinnvoll -, jedoch fühlt sich der Schweiß auf der Haut unangenehm nass an. Das Nassempfinden der Haut ist grundsätzlich unabhängig vom Fasertypus, vielmehr sind Aufnahme von Schweiß und Nassempfinden hauptsächlich abhängig von der Dicke der textilen Fläche. Fasern und Garne mit hellen Farben reflektieren das Sonnenlicht besser als dunkle Stoffe, daher sollte man dunkle Kleidung meiden. Die Garne der textilen Oberfläche der Kleidung sollten möglichst nicht zu glatt sein, sonst klebt die Ware auf der nassen Haut an. Zudem reduziert die anhaftende Kleidung die wichtige Wärmezirkulation (siehe oben).

Kühltücher

Ältere Menschen und COPD Patienten, aber auch Herz- und Kreislauf-Erkrankte, können sich rasch und unkompliziert mit Hilfe von feuchten Umschlägen etwas Abkühlung verschaffen.
Am besten funktionieren solche kalten Umschläge im Gesicht (das Gesicht ist am empfindlichsten für Wärme/ Hitze) und im Nacken.
Das ist besser als eine eiskalte Dusche zwischendurch. Solche Umschläge können aus Baumwolle bestehen und sollten hochflorig sein, wie z.B. der Waschlappen. Das speichert die Flüssigkeit am besten und verlängert dadurch den Kühleffekt.
Das Wasser sollte übrigens nicht zu kalt sein, sonst reagiert der Körper reflektorisch mit zusätzlicher eigener Wärmeproduktion. Zudem belastet kaltes Wasser das Herz- und Kreislaufsystem von Erkrankten zusätzlich. Am besten ist es, das Wasser leicht kühl zu halten. Hilfreich ist es auch, kühles Wasser über die Beine laufen zu lassen.

Textile Verschattung

Für Ältere und COPD-Patienten gilt: Vermeiden Sie tagsüber direkte Sonneneinstrahlung, vor allem zwischen 12:00 Uhr und 16:00 Uhr.

Auf der Terrasse und dem Balkon können dichte Gewebe aus Polyester PES oder Polyamid PA am besten gegen UV- und die aufheizende IR-Strahlung abschirmen, allerdings sollte durch die Abschattung kein Luftstau entstehen. In Innenräumen sind bauliche Einstrahlungsschutzverminderungen entweder über Rollläden möglich oder bei Abwesenheit von Rollläden über dunkle, dichte Vorhänge.

Textilien in der Schlafstätte

Grundsätzlich macht sich die nächtliche Wärme bei älteren Menschen im Schlaf stärker bemerkbar. Sie wachen insgesamt häufiger auf und zeigen gegenüber jungen Personen reduzierte REM-Phasen. Es wurde bereits eingangs dargelegt, wie wichtig sich die Schlafqualität auch auf die Verträglichkeit von Hitze tagsüber auswirkt. Für die Schlafqualität ist es physiologisch entscheidend, dass die Körperkerntemperatur nachts abnimmt. Dazu lässt der Körper bereits kurz vor dem Einschlafen die Hauttemperatur ansteigen - und zwar über eine periphere Gefäßerweiterung der Haut (Vasodilatation).

Eine lauwarme Dusche vor der Schlafenszeit reduziert daher die Hauttemperatur nur mäßig und erleichtert das Einschlafen wesentlich besser als eine kalte Dusche; hier droht eine unerwünschte Gefäßverengung in der Haut (Vasokonstriktion). Auch während des Schlafs regelt jeder Mensch seine Kerntemperatur über eine persönlich ausgeprägte, verhaltensbedingte Thermoregulation: Sie bestimmt, wie stark man Oberkörper und Arme z.B. mit einem Betttuch abdeckt oder sich im Schlaf umdreht. Seitenschlafen auf einer Körperseite reduziert die Kontaktfläche des Körpers zur Matratze, was die Wärmeabgabe erleichtert. Schwitzt man dennoch nachts intensiv in das Nachthemd oder den Pyjama und wacht auf, so sollte man die Nachtkleidung wechseln, sonst wacht man zwischenzeitlich erneut auf oder fängt an zu frieren.

Da es bei älteren Menschen Studien zufolge zu einem nächtlichen Abfall der Hauttemperatur im Brustbereich kommt, sollten gerade sie besser nicht mit nacktem Oberkörper schlafen, sondern leicht bekleidet. Für Pyjamas sind leichte Materialien aus Baumwolle oder Viskosefasern zu empfehlen, da sie gegenüber synthetischen Fasern eine höhere Wärmesorption besitzt, speziell bei Feuchteeintrag.

Um bei Hitzewellen ein möglichst angenehmes Klima zwischen Haut und Bettdecke zu erzeugen (das sogenannte Bett-Mikroklima), ist von Wärme-stauenden Pyjamas oder Bettdecken abzuraten. Vielmehr sollten luftige Materialien, z.B. Nachthemden oder Sommer-Pyjamas mit kurzer Hose und Ärmeln aus feinem Leinen-Batist, Seide oder Viskose, verwendet werden. Optimale Bettklimata liegen übrigens bei 32-34°C mit 40-60% relative Luftfeuchte. Dieser Luftfeuchtebereich kann bei COPD-Patienten und älteren Menschen im Schlafzimmer über Air-Conditioning konstant gehalten werden, zumal weil Feuchte ein wichtiger Störfaktor des Schlafs ist.

Sonstige textile Hilfsmaßnahmen

Vermeintliche Geheimtipps wie Stützstrümpfe sind bei Hitze keine gute Idee und nicht hilfreich. Sie sorgen zwar dafür, dass das Blut nicht in die Beine absackt - für Menschen mit schwachem Kreislauf gerade bei Hitze grundsätzlich ein positiver Effekt. Allerdings stauen die engen Strümpfe die Wärme.

Deshalb besser einfach mal die Beine hochlegen als mit Strümpfen quälen. Mit Hilfe eines kleinen Ventilators und einem Wäscheständer ist es sogar möglich, sich eine kleine "Klimaanlage" zu bauen: Dazu kann man ein paar nasse Baumwoll- oder Leinenhandtücher über den Wäscheständer hängen und den Ventilator eine Weile von hinten gegen die Wäsche blasen lassen. Der Ventilator verteilt die kühle Feuchtigkeit im Raum und die Temperatur im Zimmer wird spürbar erträglicher.

Allgemeine nicht-textile Empfehlungen

Ältere Menschen haben gegenüber jungen Menschen eine insgesamt niedrigere metabolische Stoffwechselrate und weniger Muskelmasse. Aufgrund der schlechteren Thermoregulation verliert ihr Körper mehr Flüssigkeit, was zu einer milden Form der Austrocknung führen kann.

Gegen diese sogenannte Dehydratation sollten ältere Menschen gleich morgens nach dem Schlaf mehr trinken. Auch tagsüber sollten ältere Menschen und COPD-Patienten ausreichend Wasser und Salz zu sich nehmen, möglichst anstrengende Aktivitäten vermeiden oder öfter mal Siesta machen. Kommt es trotz aller Verhaltensanpassungen zu Symptomen wie Desorientierung, Krämpfen oder gar Ohnmacht, ist es ratsam, umgehend einen Arzt aufsuchen.

Empfehlungen für Textilhersteller

Textilhersteller sollten Tag- und Nachtbekleidung an die gestiegenen Anforderungen aufgrund sommerlicher Hitzewellen weiter anpassen. Hierzu zählt insbesodere die Optimierung hinsichtlich der thermophysiologischen Eigenschaften, so dass für die angesprochenen Risikogruppen - ältere Menschen und COPDPatienten - ein optimaler Tragekomfort und beste Schutzeigenschaften gewährleistet sind. Dies betrifft ebenso sämtliche Textilien rund um die Schlafstätte. IR- und UVAbschirmungsverhalten lassen sich labortechnisch exakt bestimmen und ergänzen eine valide gesundheitsbezogene Produktauslobung. Detaillierte Auskünfte können beim Autor angefordert werden.