Presseinformation

08.12.2014 | 594-DE

Die perfekte Silhouette

Modulare Probiergrößen sorgen für optimale Passform bei Etuikleidern

BÖNNIGHEIM (just/ri) Die Schnittgestaltung für Damen-Kleider im Allgemeinen und Etuikleider im Besonderen gilt im Bereich der Damenoberbekleidung (DOB) aus gutem Grund als Königsdisziplin: Der Umfang von Brust-, Taillen- und Hüftumfang variiert von Frau zu Frau, ebenso wie die Körperproportionen. Bei mehrteiligen Outfits lassen sich solche Abweichungen problemlos durch die Kombination von Kleidungsstücken in verschiedenen Konfektionsgrößen abbilden. Bei einem einteiligen Kleidungsstück wie einem Kleid ist es dagegen schwierig, den unterschiedlichen Körperproportionen in einem einzigen Kleidungsstück gerecht zu werden.

Dieser Problematik haben sich die Hohenstein Institute in Bönnigheim zusammen mit der Firma Matteo Dosso, Experten für Individualkleidung aus Hamburg, im Rahmen eines Forschungsprojektes (ZIM-Nr. KF2136726CJ2) angenommen. Die Projektpartner haben modulare Anprobe-Teile, die sogenannten Schlupf- oder Probiergrößen, für verschiedene Körperareale entwickelt. Letztere werden von den Konsumentinnen im Ladengeschäft anprobiert und im Hinblick auf eine optimale Passform miteinander kombiniert. Aus den einzelnen Anprobe-Teilen ergeben sich dann die Maßvorgaben und Anpassungen für die Erstellung eines Kleides in industrieller Maßkonfektion.

Damit ist der Weg für die effiziente Vermarktung und Herstellung industrieller Maßkonfektion für Damenkleider geebnet. Diese schont den Geldbeutel der Kundinnen und gewährleistet trotzdem eine perfekte Passform, der individuell konfigurierten Kleidungsstücke.

Während bei den Herren die industrielle Maßkonfektion bereits von zahlreichen Herstellern angeboten wird, ist das Angebot bei den Damen bislang sehr überschaubar und deckte vor allem Jacken, Westen, Blusen, Hosen, Röcke und in kleinerem Umfang auch Mäntel ab. Die von den Hohenstein Wissenschaftlern neu entwickelten Anprobe-Kleidungsstücke umfassen neben den Standardgrößen zusätzliche Modelle für unterschiedliche Figurtypen. Spezielle Regeln zur Berücksichtigung der Materialeigenschaften sind entwickelt worden.

In einem ersten Schritt wurden zunächst alle erforderlichen Größen- und Figurtypen ermittelt, wobei auf die Körperdaten im Datenpool der Hohenstein Institute zurückgegriffen werden konnte. Dieser umfasst neben den Ergebnissen der Reihenmessung SizeGERMANY die Messdaten aus verschiedenen Forschungsprojekten, bei denen z.B. die Körpermaße von Frauen über 60 Jahren oder Frauen mit starken Figuren mit Hilfe eines 3D-Scanners berührungslos ermittelt wurden. Mittels der Analysen zu den weiblichen Körperproportionen wurde errechnet, wie viele Grundgrößen des Damenkleides gefertigt werden müssen. Diese wurden dann mit Hilfe eines CAD-Konstruktionsprogramms hergestellt und anschließend auf Passform und Modelloptik geprüft. Anhand einer Simulation von Körpermaß-Abwandlungen konnte schließlich ermittelt werden, welche Veränderungen an den Grundschnittformen vorgenommen werden müssen.

Um das Sortiment der Schlupfgrößen möglichst gering zu halten und dennoch eine breite Auswahl anbieten zu können, wurde ein zweiteiliges Kleidungssystem eingesetzt, das alle möglichen Körperformvarianten berücksichtigt. Dieses besteht aus Oberteilen, die im Taillen- und Hüftbereich so flexibel gestaltet sind, dass sie auch extreme Unterschiede zu gängigen Konfektionsgrößen abdecken. Die Oberteile werden mit Rockteilen kombiniert, die denselben Anforderungen gerecht werden. Die Basismodelle bestehen zunächst aus einem Standardmaterial, das jedoch je nach Wunsch der Kundin durch andere Stoffe ersetzt werden kann. Um dennoch den perfekten Sitz des Kleides garantieren zu können, wurde ein Regel- und Interpretationssystem entwickelt, das die individuellen Eigenschaften der verschiedenen Stoffe in Schnittmodifikationen übersetzt. Letztendlich gewährleistet der Gesamtprozess, dass jedes Kleid, unabhängig von Körperbau und Materialwünschen, der Kundin eine hervorragende, individuelle Passform garantiert.

Mit langjähriger Erfahrung und einer innovativen Herangehensweise ist es den Projektpartnern so gelungen, den Prozess der industriellen Maßkonfektionierung von Damenkleidern marktreif zu gestalten. Hersteller und Handel haben nun die Möglichkeit, optimal passende Damenkleider marktfähig anzubieten, die selbst anspruchsvolle Kundinnen begeistern werden. Auch im Bereich der Corporate Fashion oder funktioneller Berufsbekleidung eröffnet das neue System eine Vielzahl neuer Möglichkeiten und Marktchancen für innovative Unternehmen.

Kontakt:
Angela Mahr-Erhardt
a.mahr-erhardt@hohenstein.de
www.hohenstein.de

Industrielle Maßkonfektion – was ist das?
Die Grundidee der industriellen Maßkonfektion ist es, die Kostenvorteile der Massenproduktion von Konfektionsware mit der guten Passform von auf Maß individuell hergestellten Kleidungsstücken zu kombinieren.

Um dies zu erreichen, bieten die Hersteller von Maßkonfektion verschiedene Variationen von Maßen einerseits und Stoffen sowie Ausstattung andererseits an. Aus diesen kann der Kunde bzw. die Kundin die gewünschte Kombination wählen. Die Maßvorgaben werden in einem individuellen CAD-Schnittbild übernommen, die Konfektionierung – d. h. das Zusammennähen der Einzelteile sowie das Anbringen von Verschlüssen, Accessoires usw. – erfolgt dann vergleichbar der Massenproduktion von Konfektionsware.

Bislang wird industrielle Maßkonfektion in Deutschland von einigen wenigen großen und vielen kleinen Anbietern in unterschiedlichen Preis- und Qualitätssegmenten vertrieben. Hauptsächliche Zielgruppe sind bislang Männer, da die Zahl der Produktvarianten hier deutlich geringer ist als bei den Damen.

Die Ermittlung der wichtigsten Körpermaße erfolgt entweder klassisch mit Hilfe eines Maßbandes oder indem die Körper der Kunden mit einem modernen 3D-Scanner berührungsfrei vermessen werden. Aufgrund der hohen Anschaffungs- und Unterhaltskosten für die Scanner kommt deren Einsatz allerdings nur punktuell in Frage. Anprobe-Teile, sogenannte Schlupfgrößen, sind eine kostengünstige und praxisnahe Alternative, mit denen sich eine sehr gute Passform erreichen lässt.
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