Presseinformation

04.11.2014 | 579-DE

Innovative OP-Mehrweg-Kleidung

Verbesserter Komfort bei verringerter Umweltbelastung

BÖNNIGHEIM (sis) Ein aktuelles, von der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen "Otto von Guericke" e.V. für Industrieforschung gefördertes Forschungsprojekt beschäftigt sich bis Anfang des Jahres 2016 mit der Entwicklung von innovativen Mehrweg-OP-Textilien mit optimalem Tragekomfort und gleichzeitig verlängerter Lebensdauer durch schonende Wiederaufbereitungsverfahren. Das wfk – Cleaning Technology Institute e.V. und die Hohenstein Institute kommen damit den Forderungen des Kreislaufwirtschaftgesetz (KrWG) nach und stärken darüber hinaus die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Textilindustrie.

Seit 2012 findet das KrWG durch Umsetzung in der Abfallrichtlinie RL 2008/98/EG Anwendung im deutschen Recht. Die Reform besagt, dass zur Vermeidung von Abfällen Wertstoffe über eine möglichst lange Zeitperiode im Wirtschaftskreislauf verbleiben sollen. Im Bereich des Gesundheitswesens, insbesondere in Krankenhäusern, zeichnet sich allerdings ein gegenläufiger Trend ab. Aus Gründen der einfacheren Handhabung, stets gesicherter Sterilität sowie einer scheinbar überlegenen Kostensituation steigt der Anteil der in Krankenhäusern mehrheitlich verwendeten Einweg- OP-Bekleidung kontinuierlich an. Die resultierende Abfalllast liegt pro Pflegetag und Patient bei etwa 3,2 kg fachgerecht zu entsorgendem Textilen, wodurch sich ein jährliches Müllaufkommen von ungefähr 1200 kg pro Krankenhausbett ergibt.

Medizintextilien wie Abdeckmaterialien und OP-Bekleidung sind als zulassungspflichte Medizinprodukte einer Vielzahl von textiltechnologischen Anforderungen gemäß der europäischen Norm DIN EN 13795 unterworfen. Dazu zählen beispielsweise mechanische Widerstandsfähigkeit, mikrobiologische Reinheit und eine Barrierewirkung gegen Flüssigkeiten. Diese zahlreichen normativen Ansprüche, welche den Schutz des Trägers gewährleisten, sorgen dafür, dass der thermophysiologische Tragekomfort der OP-Bekleidung insbesondere bei Einweg-OP-Kleidung zweitrangig sind.

Um die vergleichsweise höheren Anschaffungskosten von Mehrweg-Schutzkleidung auszugleichen, müssen diese etwa 50-70 Gebrauchs- und Wiederaufbereitungszyklen durchlaufen. Dabei büßen die Mehrweg-Textilien beständig an Tragekomfort ein – jedoch ist der Tragekomfort gerade das Charakteristikum, das sie neben der Umweltfreundlichkeit von Einweg-Textilien positiv abgrenzt.

Das gemeinsame Forschungsprojekt entwickelt angesichts dieser Problemstellung innovative Mehrweg-OP-Textilien, die neben einem optimalen Tragekomfort auch eine verlängerte Lebensdauer bieten. Zu diesem Vorhaben optimieren die Hohenstein Institute die Materialien der Mehrweg-Schutztextilien, sodass ideale thermophysiologische Trageeigenschaften gegeben sein werden. Aktuell untersucht das Forschungsteam um Dr. Bianca-Michaela Wölfling auf dem Markt befindliche OP-Bekleidungen hinsichtlich ihrer textiltechnologischen und bekleidungsphysiologischen Beschaffenheit. Hierbei wird besonders die Interaktion zwischen Körper, Klima und Kleidung beleuchtet, da ein Ungleichgewicht zwischen Wärmeproduktion und –abgabe nicht nur den Arbeitskomfort der Chirurgen und des OP-Teams senkt, sondern auch deren Wahrnehmung und Leistungsfähigkeit beeinträchtigen kann. Dazu finden sowohl Untersuchungen mit dem Hohensteiner Hautmodell als auch Probandentests in der Klimakammer unter unterschiedlichen praxisnahen Bedingungen statt. Auf Basis der Forschungsergebnisse werden Konzepte zur Weiterentwicklung von OP-Textilien erarbeitet.

Zeitgleich erforscht das wfk Wiederaufbereitungsverfahren, welche die thermische und mechanische Belastung der Schutztextilien auf ein Minimum begrenzen, um dadurch verlängerte Lebenszyklen zu erreichen. Um außerdem ressourcenschonend zu arbeiten, fokussieren sich die Forscher auf voraktivierte Desinfektionssysteme und Enzyme mit besonders hoher Aktivität bereits bei niedrigen Temperaturen. Durch die reduzierte Waschtemperatur und –mechanik sowie speziell entwickelte Reinigungs- und Desinfektionschemie ergibt sich ein innovatives Wiederaufbereitungsverfahren. Dieses ermöglicht zum einen den Erhalt der schützenden und thermophysiologischen Textilfunktionen gegenüber der derzeit gängigen Praxis. Zum anderen kann damit eine um 25% optimierte Lebensdauer der OP-Mehrweg-Textilien erreicht werden.

Die Forschungskooperation sorgt zusammenfassend für verbesserte Marktchancen von Mehrweg-Schutzkleidung in Krankenhäusern. Dadurch wird dem KrWG im Sinne der Abfallvermeidung im textilen Medizinproduktsektor Folge geleistet. Die innovativen Mehrweg-Schutztextilien zeigen bei optimiertem Tragekomfort eine verlängerte Lebensdauer mithilfe ressourcenschonender Aufbereitungsverfahren. Neben dem ökologischen ist jedoch auch der ökonomische Nutzen des Forschungsprojekts nicht zu vernachlässigen. Durch den Ausbau des Marktes von Mehrweg-OP-Textilien wird die internationale Wettbewerbsfähigkeit gesteigert und damit Arbeitsplätze in der deutschen Textilindustrie gesichert. Gleichzeitig ergibt sich für Krankenhäuser aus dem verlängerten Einsatz der Schutztextilien ein jährliches Einsparungspotenzial von etwa 12,9 Millionen Euro.

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