Presseinformation

27.08.2015 | 655-DE

Design meets Performance

Erste Kollektion mit optimierter Kleidung für Rollstuhl-Basketballer umgesetzt

BÖNNIGHEIM (on) Innerhalb von nur 12 Jahren hat sich die Zahl der Mitglieder im Deutschen Behindertensport knapp verdoppelt – Tendenz weiter steigend. Wie wichtig diese Zielgruppe ist, haben Sabine Hattenkerl und Katrin Eiermann vom Leipziger Sportmode Designstudio eiermann+hattenkerl schnell erkannt. In Zusammenarbeit mit der in Limbach-Oberfrohna ansässigen Firma Biehler Sportswear haben sie deshalb eine erste optimierte Testkollektion für das Team I der Elxleber Rollstuhl-Basketballer RSB Thuringia Bulls entwickelt. Die Basis für diese Produktentwicklung bildete dabei das im Rahmen eines Forschungsprojektes generierte umfangreiche Datenmaterial der Hohenstein Institute im schwäbischen Bönnigheim zur Optimierung von Sportbekleidung für Rollstuhlfahrer.

Durch das 2014 ins Leben gerufene Projekt „Smart-Fit-In“, das sich für die Entwicklung von adaptierten und personalisierten Produkten für Menschen mit Bewegungseinschränkungen einsetzt, sind die Designerinnen auf das Innovationsforum „Adapted Fashion“ aufmerksam geworden. „Dank des Projekts Smart-Fit-In /Adapted fashion haben wir viele neue Bedürfnisse von Menschen mit Einschränkungen kennengelernt. Hier einen Bereich zu finden, wo so vieles noch fehlt - technisch und unter designrelevanten Aspekten - hat uns sehr erstaunt und dann zur aktiven Teilnahme angeregt.“, erklärt Sabine Hattenkerl.

Im Rahmen des Innovationsforums kamen sie auch mit Lutz Leßmann, dem Manager des Rollstuhl-Basketball-Teams Oettinger RSB Thuringia Bulls, ins Gespräch. Obwohl die Spieler seines Teams Profis sind und jeden Tag trainieren, werden sie nicht von führenden Sportartikelherstellern ausgerüstet und müssen sich bei der Sportbekleidung selbst behelfen. Dazu lassen sie bei Teambekleidungsausstattern Shirts und Hosen mit Sponsorenlogos bedrucken oder beflocken. Durch diesen nachträglichen Aufdruck, der wie ein Aufkleber wirkt, geht die Atmungsaktivität der Bekleidung verloren. Auch das Design ist nicht immer zeitgemäß und entspricht oft nicht dem Geschmack der Mannschaft. Technisch ist die Passform dieser Bekleidung nicht auf die speziellen Bedürfnisse der Rollstuhlfahrer beim Basketball ausgerichtet, denn die sitzende Position bringt besondere Anforderungen an die Schnittführung dieser Sportkleidung mit sich. Im Rahmen des Forschungsprojekts AiF-Nr. 17377 N haben die Wissenschaftler der Hohenstein Institute Rollstuhlfahrer in einem stationären 3D Bodyscanner und mit einem portablen Handscanner im jeweiligen Sport-Rollstuhl erfasst und digital vermessen. Dabei wurden viele neue Erkenntnisse gewonnen: Nicht-optimierte Hosen fallen bei Rollstuhl-Basketballern allgemein im Taillenbereich am Rücken zu kurz und am Bauch zu lang aus. Des Weiteren sind bei einem Großteil der Rollstuhl-Sportler der Oberkörper und die Arme sehr muskulös, was bei der Gestaltung von Shirts und Jacken zu beachten ist. Um eine gute Passform mit einem hohen Maß an Bewegungsfreiheit zu bieten, müssen die Kleidungsstücke deshalb eine angepasste Schnittführung aufweisen. Durch den engen Kontakt des Rückens und des Gesäßes mit dem Rollstuhl kann schnell ein Feuchtestau auftreten, den es durch die Nutzung geeigneter Materialien und funktioneller Konstruktionen zu vermeiden gilt. Aus diesem umfangreichen Datenmaterial leiteten die Hohenstein Experten praktikable Lösungsansätze zur Optimierung von Bekleidung von Rollstuhl-Sportlern ab. Diese Forschungsergebnisse dienten als Grundlage für die aktuelle Testkollektion.

„Die Herausforderungen lagen vor allem darin, einen Partner aus der Industrie zu finden, der unsere Sichtweise teilt und auch Interesse am Aufbau einer Kooperation hat.“, erläutert Designerin Sabine Hattenkerl. „Gefunden haben wir diesen idealen Projektpartner schließlich über das Innovationsnetzwerk „Adapted Fashion“ mit der Firma Biehler Sportswear. Dass sich die Arbeit gelohnt hat, zeigt die positive Rückmeldung des Teams. „Die Spieler sind begeistert, es ist die beste Spielkleidung die sie bis jetzt getragen haben. Tragekomfort und Sitz sind perfekt. Man merkt nicht, dass man ein Hemd trägt.“, sagt Center Alex Halouski, Spieler der RSB Thuringia Bulls und der deutschen Nationalmannschaft der Rollstuhl-Basketballer.

Von den Daten und Informationen der Hohenstein Institute können auch andere Hersteller im Hinblick auf ihre optimierten Produkte für Sportler mit Einschränkungen profitieren. Der Forschungsbericht kann bei der Hohenstein Expertin Anke Klepser (Mail: a.klepser@hohenstein.de) bestellt werden, damit die Testkollektion mit optimierter Bekleidung für Rollstuhl-Sportler von eiermann + hattenkerl und Biehler Sportswear kein Einzelfall bleibt.

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